Mexiko


Mexiko

Mexiko (Mejico, spr. méch-), Föderativrepublik im südl. Nordamerika [Karte: Nordamerika I], mit Niederkalifornien und den Inseln (4042 qkm) 1.987.201 qkm, (1900) 13.607.259 E.; ausgedehntes Hochland, zur Hälfte über 1000, ein Zehntel über 2000 m; höchste Berge der Citlaltepetl oder Pik von Orizaba 5550 m, Popocatepetl 5452 m, Iztaccihuatl 5286 m. Hafenarm ist die atlant. Küste mit dem 1891 künstlich geschaffenen Hafen Tampico und der Reede von Veracruz; reicher die pazifische (Guaymas, Mazatlan, Acapulco u.a.); schiffbare Flüsse bes. der Rio Grande del Norte und der Coatzocoalcos; Produkte: Reis, Zuckerrohr, Kaffee, Kakao, Baumwolle, Cochenille, Tabak, Mais (wahrscheinlich in M. zuerst angebaut); Ackerbau noch primitiv, durch Kolonisationsversuche der Regierung und Einfuhr von Weinstöcken, Oliven, Orangen, Gemüsen gefördert. Großer Silberreichtum; außerdem Gold, Blei, Kupfer, Quecksilber, Eisen; wichtigster Industriezweig die Baumwollmanufaktur, bes. in Guadalajara und Puebla; ferner Wollindustrie, Gold- und Silberarbeiten, Papiermühlen, Tonwarenfabriken, Eisengießereien. Handel s. Beilage: Nordamerika; Hauptverkehrsland die Ver. Staaten, dann England, Deutschland und Frankreich. Eisenbahnen (1905) 16.866 km [s. auch Beilage: Eisenbahnen]; Länge der Telegraphenlinien (1903) 73.106 km. Die Bevölkerung zerfällt in vier Hauptteile: Kreolen oder Weiße span. Abkunft 19 Proz., Indianer 37 Proz., Neger etwa 70.000, und die aus der Vermischung der drei Rassen hervorgegangene Bastardbevölkerung, Mestizen, Mulatten, Zambos, Chinos etc. 44 Proz.; Konfession meist röm.-katholisch.

Verfassung und Verwaltung. An der Spitze ein auf vier, seit 1904 auf sechs Jahre gewählter Präsident; gesetzgebender Kongreß, bestehend aus Abgeordnetenhaus (233 auf 2 Jahre indirekt gewählte Mitglieder) und Senat (56, je 2 aus jedem Staate, indirekt gewählte Mitglieder). M. ist eingeteilt in 27 Staaten, 1 Bundesdistrikt und 3 Territorios. Wappen: ein Nopal (Kaktee) auf einem Felsen im Meere, auf der Pflanze ein Adler mit ausgebreiteten Flügeln, eine Schlange tötend [Abb. 1175]; Flagge: grün, weiß und rot [Tafel: Flaggen]. Heerwesen: Jeder waffenfähige Mexikaner ist zum Dienst im Heere oder in der Nationalgarde verpflichtet. Friedensstärke des stehenden Heers 1905: 3006 Offiziere, 23.580 Mann, 6499 Pferde und 2791 Lasttiere; 1. Reserve 28.000, 2. Reserve 150.000 Mann; Kriegsstärke 2550 Offiziere, 79.600 Mann (60.000 Infanterie, 15.500 Kavallerie, 4100 Artillerie). Die Kriegsflotte zählt 1 Korvette, 1 Schulschiff, 5 Kanonenboote etc. mit 198 Offizieren und 965 Mann. Obligatorischer unentgeltlicher Elementarunterricht.

Geschichte. Nachdem die Spanier Solis und Pinzon, welche Yucatan entdeckten, die erste Kunde von M. nach Europa gebracht, eroberte Cortez seit 1519 das Reich der Azteken (s. Mexikaner) für Spanien; seit 1540 wurde es als Königr. Neuspanien von Vizekönigen regiert und während 270 J. durch ein strenges Sequestrationssystem hart bedrückt. Der erste Aufstand des Pfarrers Hidalgo 1810 ward zwar unterdrückt, aber Grausamkeiten der Vizekönige veranlaßten neue Erhebungen, die bes. Iturbide mit Erfolg leitete (1822-23 als Augustin I. Kaiser von M.). Nach seinem Sturz gab der Kongreß die Verfassung vom 16. Dez. 1823, die 4. Okt. 1824 in Wirksamkeit trat, und wählte den General Victoria zum ersten Präsidenten der Republik M. Seitdem ist die innere Geschichte M.s ein Gewirr von Parteikämpfen und Revolutionen. Santa Anna, der nach dem Sturz Guerreros und Bustamantes 1833 Präsident wurde, verwandelte die Konföderation in eine zentralisierte Republik, zu deren Diktator er sich aufschwang. Den hierdurch veranlaßten Abfall von Texas (1836) konnte er nicht verhindern; die Annexion desselben durch die Ver. Staaten von Amerika führte zum Kriege mit diesen (1846), M. mußte im Frieden von Guadalupe-Hidalgo 2. Febr. 1848 Neu-M. und Neu-Kalifornien abtreten. Hierauf folgten wieder innere Kämpfe der Zentralisten und Föderalisten (1853 Zurückberufung des verbannten Santa Anna, 1855 abermaliger Sturz desselben) und der Liberalen und Klerikalen, bis 1861 Juarez Präsident wurde. Um Zahlung und Genugtuung für die Forderungen und Beschwerden ihrer Untertanen zu erhalten, sendeten Spanien, Frankreich und England 1861 ein Expeditionskorps nach M. ab; nach der Konvention von Soledad 19. Febr. 1862 zogen sich die Spanier und Engländer zurück, während die Franzosen nach tapferm Widerstand 18. Mai 1863 Puebla eroberten und 10. Juni in Mexiko einzogen. Eine von den Franzosen berufene Notabelnversammlung proklamierte das mexik. Kaiserreich und bot die Krone dem österr. Erzherzog Maximilian an, der sie 10. April 1864 annahm, 12. Juni in der Hauptstadt einzog, aber beständig mit den Republikanern zu kämpfen hatte. Als Napoleon III. auf Drängen der Ver. Staaten die franz. Truppen 1866 zurückziehen mußte, nahmen die Republikaner 15. Mai 1867 Queretaro und ließen den das. gefangenen Kaiser Maximilian 19. Juni erschießen. Die Republik wurde wiederhergestellt und Juarez wieder zum Präsidenten gewählt. Nach seinem Tode 18. Juli 1872 wurde Lerdo de Tejada Präsident; diesem folgte 1876 Porfirio Diaz, ihm Gonzales, 1884 und bei den folgenden Wahlen ward Diaz wiedergewählt; unter ihm hob sich M. dauernd. – Vgl. von Hesse-Wartegg (1890), Seler (1889, 1900), Noriga (span., 1898), Below (2. Aufl. 1899), Lemcke (1899), Seler (1900), Lumholtz (engl., 2 Bde., 1903), Prinz R. Bonaparte (franz., 2 Bde., 1904); über die Geschichte: Prescott (1844 u.ö.; deutsch 1845), Alaman (span., 5 Bde., 1849-52), Payno (span., 1871), Frost (engl., 1882), Bancroft (engl., 1888), León (span., 1902).


http://www.zeno.org/Brockhaus-1911. 1911.

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